Konzertbericht: Ethel Caffie Austin Singers in Verden E-Mail
Gebloggt von Bernd   
Freitag, 11. Dezember 2009
Am Nikolaustag gaben die Ethel Caffie Austin Singers ein Konzert in der Verdener Johanniskirche, der ältesten Backsteinkirche Norddeutschlands. Bereits gegen 18:20 Uhr waren die Stühle des Mittelschiffs besetzt, meist von älteren Zuhörern. Das Konzert war ausverkauft und ich schätze, dass ca. 250 Besucher den Weg in die Kirche fanden. In der engen Apsis waren drei Mikrophone, drei Stühle und ein Piano plaziert. Organisiert wurde dieses Ereignis vom Verdener Jazzverein unter der Leitung von Herrn Koy. Die Sängerinnen erschienen bereits um 18:30 Uhr. Die vier Damen, Ethel Caffie Austin, Linda Hawkins, Delnora Roberts und Quandora Hornbuckle waren am Vorabend aus Charlotte NC angereist.
   
Sie begannen das Konzert mit dem Song "Welcome, Holy Spirit", sanft und ausgewogen singend. Es folgte "Life Is Just Too Short". Beide Songs kannte ich nicht. Delnora Robertson begleitete anschließend auf dem Tambourin und Quandora Hornbuckle nahm eine Rasssel hinzu: "This Little Light Of Mine". Ethel Caffie Austins Gospel-Pianospiel wird deutlich vorgetragen und ist wenig verspielt. Es gibt zwei Videos bzw. DVDs von ihr "Learn To Play Gospel Piano". Sie führte auch durchs Programm und kündigte die Songs an. Es folgte Eddie Williams "Lord Keep Me Day By Day" und anschließend "Working Out For Me".Linda  Hawkins Testimony betraf ihre verloren geglaubte Brieftasche, die sich wiederfand - typisch für Glaubensbekundungen in schwarzen Kirchen. "Mary Don't You Weep" griff die Version der Caravans auf. Mit sechs Jahren begann Ethel Caffie Austin Klavier zu spielen und mit neun wurde sie in der Kirche ihres Vaters im Gottesdienst aktiv, Chorarbeit folgte. Erst vor drei Jahren erfuhr die nunmehr Einundsechzigjährige, dass ihre Eltern sie adoptiert hatten und von ihrer leiblichen Mutter. Dies nutzte sie zu einem Medley mit "Sometimes I Feel Like A Motherless Child", Nobody Knows", "I've Been In The Storm So Long", "Oh Freedom" und "I'm Free". Trotz ihrer Erkältung verfügte sie über eine mächtige Altstimme. Linda Hawkins wechselte anschließend ans Piano und sang "Jesus, Jesus, Jesus". Es folgten der Andraé Crouch-Song "Bless Me Lord, Oh My Soul" sowie "Down By The Riverside". Nach diesem einstündigen Auftritt gab es eine Pause. Die Akustik der Kirche und die Aussteuerung waren gut, das Piano dezent und angenehm untermalend hörbar.

Nach der Pause starteten die Damen mit einem Weihnachtsprogramm: "Go Tell It On The Mountain", "Listen To The Angels", sehr gefühlvoll vorgetragen und mit feinen Harmonien und Aufeinanderabgestimmtsein. Es folgte "First Noel", stimmlich an die Barrett Sisters erinnernd, "Come All Ye Faithful", "White Christmas" und "Santa Claus Is Coming To Town". Vermisst habe ich Songs wie "When Was Jesus Born" oder "Go Where I Send Thee". Das anschließende "Oh Happy Day" wurde mit Applaus bedacht. Auch die Austin Singers banden das Publikum mit "Praise Ye The Lord" ein und die Zuhörer sangen "Hallelujah". Im Gegensatz zu ähnlichen Einbindungen in Gospelshows fand ich dies stimmig. Walter Hawkins "Going Up Yonder" wurde von Quandora Hornbuckle ergreifend interpretiert und zu Recht mit deutlichem Applaus bedacht. Nun folgte "I Don't Know What You Come To Do", schwungvoll vorgetragen und im Anschluss wippend "I'm Determined To Win". Ethel Caffie Austin hatte nach der Pause eine weiße Robe angezogen, während die anderen Sängerinnen ihre weißen Kostüme beibehalten hatten. - Das Konzert endete gegen 21:30 Uhr.

Die Gruppe ist stimmgewaltig und lebendig. Ihr Vortrag ist dezent und angenehm. Das anschließende Gespräch mit den charmanten Damen war zugewandt.  Dieses Konzert bewegte sich fern jeglicher Show und nichts war gekünstelt. Die Austin Singers strahlen natürliche Stärke und Charisma aus. Ihre Bewegungen blieben im Bereich des Wippens und der Arme. Diese Gruppe ist es allemal Wert, mehr Beachtung zu finden. Ich habe mich über eines jener seltenen authentischen Gospelkonzerte gefreut, die hierzulande leider zur Ausnahme geworden sind. Danke an die Sisters, den Verdener Jazzverein und an Rainer und Ingeburg!

Bernd Grimmel
www.gospel-news.de.vu
zum Kurzportrait über Ethel Caffie Austin im Gospelszene-Lexikon
 
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