Für unseren Adventskalender haben wir einige Gospelfreunde um Vorschläge gebeten und auch weiterhin freuen wir uns bis zum 24.12. über eure Mitwirkung und Mails an info (at) gospelblog.de.
Bernd Grimmel, unser Gospelblogger-Kollege (www.gospel-news.de.vu) und Gospelszene-Lexikon-Autor hat euch bei YouTube eine Aufnahme vom Golden Gate Gospel Quartet herausgesucht. Nehmt euch etwas Zeit, lest im Folgenden seinen Lexikonbeitrag und genießt anschließend den Gesang bei "Children, Go Where I Send Thee" (Link am Ende des Beitrags).

Nennt man in Deutschland die Begriffe "Spirituals", "Gospels" und "Quartett" in einem Atemzug, so folgt automatisch die Assoziation "Golden Gate Quartet". Einerseits hat das Ensemble diesen Ruhm verdient, andererseits wurde dadurch aber auch verhindert, anderen Quartetten eine Chance zu ähnlichem Publikumserfolg zu ermöglichen. Zu jener Zeit als das Bild enstand, nannten sich die vier jungen Herren allerdings noch Golden Gate Jubilee Quartet. Zwar kenne ich das Bild als Cover einer älteren LP, leider ist dort aber nicht vermerkt, wann es entstanden ist und wen es zeigt. Sicher bin ich, links Tenor Clyde Riddick und rechts Basssänger Orlandus Wilson zu erkennen; danach wäre das Foto frühestens im Herbst 1940 aufgenommen worden, als Bill Landford die Gruppe verlassen und Riddick ihn ersetzte hatte. Gegründet wurde das Quartet 1934 von vier Schülern einer High School in Norfolk, Virginia: William Landford, 1. Tenor, Willie Johnson, Bariton, Henry Owens, 2. Tenor und Orlandus Wilson, Bass. Interessanterweise muß es bereits 1898 ein Quartett gleichen Namens gegeben haben, denn Fotos jener Ensemblemitglieder sind im Booklet der neuen Gates-CD abgebildet (s.u.), leider ohne, daß dort im Text ein Bezug zu den Fotos hergestellt wird. In dieser Zeit entstanden die ersten Tonaufnahmen schwarzer Quartette, jedoch mit weltlichen Texten, während die ersten Gospelaufnahmen von 1902 datieren. Außer den Einflüssen anderer Quartette, waren es wohl die Mills Brothers, deren Sound vom Golden Gate Jubilee Quartet aufgenommen und integriert wurde. Hier kann eine Parallele zu Take 6 gezogen werden, auch diese entstammen einem College und haben neuere Elemente aus dem Jazzgesang integriert. Den Gesangstil des Golden Gate mit seinen ruckartig gesungenen und eher künstlerisch orientierten Harmonien nennt man "Jubileestil" und Take 6 wird inzwischen als "Neojubilee" zugeordnet. Die ersten Schallplattenaufnahmen erfolgten im August 1937 und bald waren sie bereits so erfolgreich, daß sie im Dezember 1939 beim berühmten "Spirituals To Swing"-Konzert in der Carnegie Hall auftraten. Der Zweite Weltkrieg brachte einen häufigen Wechsel der Sänger und erst 1946 trat die alte Besetzung wieder gemeinsam auf. In den 50er Jahren kam es erneut zu Wechseln und 1954 kamen Clyde Wright von den Selah Jubilee Singers und Caleb Ginyard von den Dixieaires, beides renomierte alte Quartette, hinzu. Bis 1971 bestand die Gruppe aus Wilson, Riddick, Wright und Ginyard. Clyde Wright und Caleb Ginyard verließen im selben Jahr die Gates und Ginyard wurde durch Paul Brembly und Wright durch Calvin Williams (8.11.1921 - 7.11.2010) ersetzt. Riddick (+ 1999) blieb in der Gruppe bis 1994 und wurde durch Frank Davis ersetzt und Wilson, letztes Gründungsmitglied verstarb 1998. Clyde Wright hat die Gruppe inzwischen "wiederbelebt", mit Brambly, Davis und dem neuen Basssänger Terry Francois. 
Warum war das Golden Gate Quartet so erfolgreich in Europa? Bereits in den 40er Jahren begann sich der Musikgeschmack bezüglich des Quartettgesanges zu wandeln. Gospelstilorientierte Gruppen wie die Heavenly Gospel Singers oder Soul Stirrers lösten die im Jubileestil singenden Gruppen in der Gunst des Publikums ab. Die neue Richtung im Quartettgesang war ursprünglicher, spontaner und hatte mehr "Seele". Das Golden Gate Quartet war geschickt genug, nach Europa zu wechseln und nahm Paris als Wahlheimat. Die Gates starteten regelmäßige jährliche Tourneen durch die europäischen Länder und produzierten hier ihre Schallplatten. Sie erweiterten ihr Repertoire um Evergreens und hatten bei uns immer noch ausverkaufte Konzertsäle als sie in ihrer Heimat bereits längst vergessen waren. Das "neue" Golden Gate Quartet hat eine CD herausgebracht: "Made In Raleigh, North Carolina, U.S.A., Feb. 2002" erschienen bei Fremeaux & Associes, FA 452, 2002, die in jedem größeren CD-Laden zu finden ist. Hier zeichnet sich zum ersten Mal ein Stilwechsel ab: Weg vom alten Jubilee und hin zu neueren und moderneren Harmonien, manchmal an Take 6 erinnernd, dann wieder etwas rapporientiert, keine kommerziellen Songs und mit ausgewogenem Backgroundgesang, speziell durch Basssänger Francois geprägt.  Jetzt bleibt abzuwarten, wie die "neuen" Gates ihre Konzerte gestalten und was sie auf der Bühne umsetzen werden. Da sie das einzige Quartett mit Wurzeln im Jubileestil sind, hoffe ich auch auf die Darbietung solcher Lieder, möglichst a-cappella und ohne Show. Darüberhinaus wird es interessant, wie gekonnt sie ihr neues Repertoire dem Publikum vermitteln können und ob dies eine entsprechende Resonanz findet. Text: Bernd Grimmel, Quelle: Gospel Lexikon auf gospelszene.de Das Golden Gate Quartet wird demnächst in Deutschland zwei Konzertermine und zwei weitere in der Schweiz geben: - 18.12.10 St. Gallen / CH - 19.12.10 Zug / CH - 20.12.10 Lörrach - 22.12.10 Stuttgart
Außerdem haben sie eine neue CD veröffentlich, welche in Kürze von Bernd besprochen wird. Klickt dazu in einigen Tagen nochmal hier oder bei Bernd auf www.gospel-news.de.vu rein.
Nach diesen vielen Informationen hier nun endlich der angekündigte Link "Children, Go Where I Send Thee" vom Golden Gate Gospel Quartet:
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